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Hotelkomponente in einer Langzeitpflegeeinrichtung und Prinzip Normalität

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  • #7684

    Liebe alle, zum Nachdenken und Auseinandersetzen!
    ist uns eigentlich bewusst, dass wir in den meisten Langzeitpflegeinrichtungen eine Hotelkomponente 4* bieten. Wer hat schon ein verstellbares Bett zu Hause, barrierefreie Waschräume, ein Rundumservice 24h, Auswahl bei Frühstück, Mittagessen (3 Menüs), Kaffee und Kuchen und Abendessen, Veranstaltungen, “Animation”, freundliches “Personal”, W-Lan, Telefon, Fernsehen, Wäscheservice, tägliche Zimmerreinigung, Friseur und Fußpflege im Haus, regelmäßige Arztbesuche, Medikamentenmanagement.
    Der große Unterschied: die wenigsten Menschen wählen den Aufenthalt aus einem Vergnügen heraus es sich gut gehen zu lassen, sondern aus den Umständen heraus, die einen Einzug nötig machen. Wir als Träger haben das Ziel, dass sich Bewohner:innen und Bewohner sicher und wohl fühlen.
    Die Frage, die ich dazu in das Forum stellen möchte, entspricht vielen von dem was wir da so anbieten dem Prinzip Normalität. Was braucht es wirklich, dass Menschen bei uns wohnen und leben können – ist “downgraden” ein Thema, gibt es dazu akzeptierte Modelle?
    Und das Argument zum Preis: jeden ist bekannt was ein Hotelzimmer für Hotelkomponente 4* kostet, vielleicht auch ein Argument in Angehörigengesprächen oder in Gesellschaft, wenn wieder darüber gesprochen wird, dass ein Pflegeheimplatz so teuer ist.

    #7918

    Liebe alle,

    trotz allem Komfort – ich bleibe beim 4* Hotel und nicht dem 4* Seniorenwohnhaus – Warum? Ganz klar die persönliche Entscheidung für den Aufenthalt. Ich liebe mein zu Hause und möchte (wie viele) dort alt werden. Ob es möglich sein wird – keine Ahnung.

    Zurück zur Frage – “downgrade” – man wagt es kaum auszusprechen, alles was wir anbieten wird ja genutzt (oder zumindest ist das unsere Annahme..)

    * Pflegebett und barrierefreies Bad ist ein Standard und es gibt Bedarf dafür – kein Downgrade möglich
    * 24h Anwesenheit – pflegebedingt nötig – kein Downgrade möglich, aber gibt es eine Option “SWH light”?
    * Auswahl beim Frühstück – hier gibt es Spielraum, aber wirtschaftlich betrachtet keine nennenswerten
    * Auswahl beim Mittagessen – in den Hausgemeinschaften gibt es diese Auswahl auch nicht und es funktioniert.
    * W-Lan – hier gibt es sicherlich zukünftig noch mehr Bedarf
    * Zimmerreinigung – teilweise hygienisch bedingt erforderlich, hat aber auch Grenzen
    * regelmäßige Arztbesuche, Medikamentenmanagement – würde ich als klassische Pflegeleistung sehen, die für einen zweckmäßigen Ablauf erforderlich sind
    * Veranstaltungen und “Animation” – ein zielgruppen-orientiertes Angebot ja, Animation wie im 4* Cluburlaub geht aber an den Empfängern vorbei

    Die Frage müsste aus meiner Sicht (leider) eher lauten, wen werden wir zukünftig wie versorgen können/müssen und welche Ausstattung brauchen wir dafür – der Part der medizinisch-pflegerischen Komponente wird einen viel höheren Stellenwert erhalten (zumindest erlebe ich hier eine Zunahme, weil die Krankenhäuser auch komplexere Therapiemaßnahmen ambulant durchführen).

    Ich glaube die Frage wird sein, wieviel können und wollen wir als Gesellschaft in die Betreuung und Pflege älterer pflegeberdürftiger Menschen investieren. Und wir als Fachexperten der Langzeitpflege werden gut daran tun, einerseits die vorhandenen Möglichkeiten optimal zu nutzen und andererseits immer wieder Missstände anzusprechen – leider in erster Linie fachlich und wirtschaftlich fundiert.

    LG aus dem regnerischen Salzburg,

    Benjamin

    #7939

    Hallo, ich setze die Diskussion fort, danke für Deine Überlegungen Benjamin. Das Thema werde ich nicht los. Vor einigen Tagen haben wir uns mit dem Begriff “Versorgung”, von der Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung auseinandergesetzt. Das ist nicht nur ein Thema der Pubertät, sondern begleitet uns unser ganzes Leben, insbesondere auch im Alter. Ist das “schöne Heim” so attraktiv, dass ich mich für dieses geringere Übel entscheide, bevor ich zu Hause nicht mehr die laut von Fachkräften/Angehörigen/Nachbarn gewünschte optimale Betreuung und Pflege erhalten kann. Kann ich, die ich immer in meiner Umgebung gewirkt habe, Einfluss ausgeübt habe, in einem Pflegeheim weiter etwas bewegen, außer meinen beeinträchtigten Körper vom Bett in den Garten und retour. Es wird viele Bewohner:innen geben, die sich gerne a la 4* Hotel “versorgen” lassen, sollten wir aber nicht einen Weg finden vom Versorgen zum Tun, Partizipieren, gefordert werden. Zur Selbstbestimmtheit gehören Widerstand und Auseinandersetzung, so bleiben wir lebendig.
    Mein Bild von 4* Hotel heißt nicht, dass wir lebenswerte Strukturen nicht anbieten sollen, es bezieht sich auf die Gestaltung des Alltags, versorge ich, serviere ich, oder gestalte, tue ich gemeinsam, ermögliche ich Bewohner:innen selbst wirksam zu werden. Das ist für mich auch keine Frage der Profession, wir alle sind “Versorgungsgeschult”, wer wagt es das System einmal anders zu denken?

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